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24.09.2020

Museumssnack

In unserer Ausstellung zum Celler Bürgertum lassen sich viele spannende Dokumente zu den Celler Schulen finden. So etwa ein Klassenfoto von der höheren Töchterschule oder das nicht sehr schmeichelhafte Zeugnis Otto Bodemeyers. 

Otto Bodemeyer war offenbar kein Musterbeispiel eines Schülers. Bodemeyer besuchte in Celle das Gymnasium. Laut seiner Lehrer und dem Direktor der Schule schwänzte er jedoch mehrfach den Unterricht. Und selbst wenn er da sei, glänze er nur durch vergessene Hausaufgaben und vorlautes Verhalten. Otto Bodemeyer wurde nach mehreren Strafen schließlich der Schule verwiesen und konnte nur dank des Einflusses seines Vaters das Abitur machen.

Otto Bodemeyer besuchte in den 1830er Jahren das Celler Gymnasium Ernestinum. Zu dieser Zeit war das Ernestinum erst seit Kurzem als Gymnasium vom Staat anerkannt. Bis 1830 oblagen Bildung und Leitung der Schulen in Celle wie allgemein in Deutschland der Kirche. So wurde das Ernestinum im Mittelalter als katholische Lateinschule gegründet. Der Unterricht sah neben den alten Sprache Griechisch und Latein lange Zeit die Unterweisung in den sieben Künsten vor: Grammatik, Rhetorik, Dialektik sowie Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.

Im Jahr 1830 übernahm der Staat die Zuständigkeit für Schulen und Bildung. Vorausgegangen war der massive Druck des immer wohlhabenderen und einflussreicheren Bürgertums. Die Kaufmänner, Geschäftsmänner, aber auch Beamten drängten auf bessere Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Denn sie erkannten die Kindheit nun als eigenständige Lebensphase an und maßen daher dem Lernen mehr Bedeutung zu. Und so wurde aus der Lateinschule in der Kalandgasse das erste Celler Gymnasium Ernestinum.

Doch gut war damit noch lang nicht alles. Ein Bericht über die Schule stellte fest, dass die Klassenzimmer meist überfüllt und in schlechtem Zustand waren. Außerdem blieben die Unterrichtsinhalte veraltet. Auch hier drängten wieder die Bürgerlichen auf Veränderung. Besonders jene, die ihre Söhne zu Nachfolgern im eigene Geschäft ausbilden wollten, verlangten eine handfestere, realere Schulbildung, als jene am Gymnasium. In der Folge wurde nun zum Beispiel naturwissenschaftlicher Unterricht angeboten und Realklassen gebildet. Letztere begründete schließlich eine ganz neue Schulform: Die Realschule. Während die Gymnasiasten an der Universität studierten, stiegen die Realschüler nach dem Schulabschluss in den Berufsalltag ein.
Und was war mit den Mädchen? Lange Zeit war die Schule den Jungen vorbehalten. Erst im 19. Jahrhundert schickten die Bürgerlichen auch ihre Töchter zur Schule. Zunächst zur Elementarschule – einer Art Grundschule –, die Jungen wie Mädchen besuchten. Und anschließend besuchten die Mädchen die höhere Töchterschule. Hier zielte die Ausbildung auf die Führung des Haushalts (Textilunterricht, Rechnen, Schreiben), gehobene Kommunikation (Französisch und Allgemeinwissen) sowie die schöngeistige Entwicklung (Zeichnen und Singen) ab. Neue Fächer, wie etwa das Turnen, sorgten für Bestürzung, galten sie doch für Mädchen als unangebracht. Zu ihrem 100-Jährigen Bestehen 1905 wurde die höhere Töchterschule ehrenvoll umbenannt. Seitdem ist sie als Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule – das heutige KAV – bekannt. Drei Jahre später wurde die strikte Trennung von Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Schulen aufgehoben.
Wie geht es ihnen, wenn sie sich an ihre Schulzeit erinnern? Welche besonderen Momente verbinden sie mit den Celler Schulen?

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